Projektbesuch Februar 2023

Projektbesuch Februar 2023

Liebe Freunde

Erneut durfte ich anfangs Februar für 10 Tage unser Projekt in La Vega besuchen. Gerne gebe ich an dieser Stelle die prägendsten Eindrücke weiter. Zuerst und vor allem anderen: Wenn wir in der Schweiz schon eine Inflation von 3% im Portemonnaie spüren, so ist es für die armutsbetroffenen Familien in der dominikanischen Republik ungleich schwerer, mit einer Inflation von rund 8% zurecht kommen zu müssen. Konkret heisst dies schlicht und einfach: Die Armen haben noch weniger zum Überleben. Wie immer standen viele Besuche bei den Familien an, die wir teilweise schon seit Jahren begleiten. Insbesondere in einer Armensiedlung am Rande von La Vega, investieren wir in eine nachhaltige Entwicklung und Verbesserung der individuellen Lebenssituationen der Familien.
Die nachfolgenden Einblicke sollen zeigen, wie sehr unser Engagement nach wie vor nötig ist. Darum und einmal mehr: Herzlichen Dank allen Spenderinnen und Spendern und allen Kirchgemeinden, die unser Bemühen unterstützen.

Beginnen möchte ich mit den Begegnungen; Schicksale, wie wir sie uns nur schwer vorstellen können: Für eine fachgerechte Betreuung von alten und kranken Menschen fehlt schlicht das Geld. Diesem alten Mann mussten beide Beine amputiert werden; leider sieht man diese radikale Intervention oft, weil die weitverbreitete Diabetes nicht richtig oder viel zu spät behandelt wird. Schon 200 Franken Notunterstützung sind eine ungeheure Entlastung für die leidgeprüften Familien.

Julio und seine Familie werden von uns seit mehr als sieben Jahren betreut und unterstützt. Hier erhält er gerade einen neuen Rollstuhl. Auch Medikamente und Ergänzungsnahrung werden regelmässig von Joel vorbei gebracht. Wir glauben, dass es richtig ist, treu und zuverlässig an der Seite von einzelnen Menschen zu bleiben, die ganz besonders durch Behinderungen herausgefordert sind. Auch wenn wir das damit verbundene Leiden nicht verhindern können, so lässt es sich zumindest mindern.

Zu diesen Menschen, mit ungeheuer schweren Schicksalen gehört auch der 14-jährige Eduardo. Gemäss der Schilderungen seiner Mutter, wurde mit 7 Jahren festgestellt, dass sich seine Knie und Beine fehlentwickeln. Offensichtliche fehlte jedoch sowohl das Wissen als auch das Geld für eine adäquate medizinische Behandlung, die mit grosser Wahrscheinlichkeit die schwere Missbildung verhindert hätte. Nun kann er kaum mehr aufrecht stehen und muss sich sogleich wieder setzen. Vor allem aber: Eduardo ist unendlich traurig, lebt isoliert in der Hütte… hat kaum Kontakt zur Aussenwelt, zu sehr schämt er sich für seine Behinderung. Laut der Mutter wäre eine Operation möglich. Wir wollen dies nun abklären und dann entscheiden, ob wir die Kosten übernehmen können. Wie schön wäre es, wenn wir ihm sein Schicksal ein wenig erleichtern könnten. Es ist unerträglich ihm zuzuschauen, wie er sich mühsam über den Boden schleppen muss…

Nun noch zu unseren neusten Projekten in der erwähnten Armensiedlung ausserhalb von La Vega, wo wir seit vielen Jahren kontinuierlich an der Verbesserung der Lebensumstände der Menschen arbeiten. Leider haben die Stürme zu Schäden an diversen Bauten geführt. Diese müssen schnellstmöglich repariert werden. Die Arbeiten kommen dabei gut voran.

Das ist Quike und seine fünfköpfige Familie. Eigentlich leben sie alle gemeinsam in einer abbruchreifen, vom Einsturz bedrohten Hütte. Der viele Regen der letzten Monate hat das Fundament unterspült, es ist eine Frage der Zeit, bis die Hütte in sich zusammenfallen wird. Der Platz auf den vielleicht 12m2 ist dermassen knapp, dass seine Frau und eines der Kinder an einem anderen Ort bei Verwandten leben müssen. Zusammen mit den Bewohnern der Siedlung werden wir nun ein neues Haus bauen! Quike, kann sein Glück kaum fassen… Er wird selbst motiviert Hand anlegen, da er ein begabter Schreiner ist, der selbst an Häusern arbeitet.

Zum Schluss noch Fotos zu den beiden letztjährigen Bauprojekten: In beiden Häusern leben grosse Familien, die vorher in Hütten lebten, die der von Quike und seine Familie ähnlich waren. Dank einem famosen Baumeister, der über 20 Jahre Erfahrung mitbringt, können wir weiterhin kostengünstige Häuser für armutsbetroffene Menschen bauen, die ohne unsere Hilfe niemals in der Lage wären, ihre unzumutbaren Wohnverhältnisse zu verbessern. Wir wollen auch in diesem Jahr dort helfen, wo die Not am grössten  ist und die Würde der Menschen am meisten leidet. Herzlichen Dank allen Unterstützerinnen und Unterstützern fürs Mittragen.